Ja, wir können auch!

5 11 2008
Barack Obama im Wahlkampf 2008 in Austin/ Texas (flickr-photos)

Barack Obama im Wahlkampf 2008 in Austin/ Texas (flickr-photos)

Der heutige Tag wird für viele mit unvergessenen Eindrücken eingeprägt bleiben. OK; natürlich für wesentlich mehr Amerikanern und vermutlich nur für wesentlich weniger Deutsche. Aber das Wahlergebnis, das heute endlich einen „African-American“ an den Präsidenten-Schreibtisch im Weißen Haus katapultierte, bleibt auch für uns Europäer ein Lehrstück: Innerhalb einer Demokratie ist nichts unmöglich – auch nicht die positiven Entwicklungen. Was für uns hier nebensächlich erscheint, nämlich die Frage, ob die Hautfarbe das höchste politische Amt der Vereinigten Staaten verändert, gibt Hoffnung. Dann spätestens, wenn versucht wird, diese amerikanische Frage auf hiesige Verhältnisse zu übersetzen.

Die deutsche Antwort darauf käme einer Revolution gleich. Einer Revolution gegen eine überhebliche, unfähige, selbstgefällige und peinliche Kaste von Berufspolitikern, die dem realen und modernen Deutschland von heute nicht mehr gerecht werden kann. Die deutsche Antwort lautet:

Ja, wir können auch!,

aber es ist zweifelhaft, ob wir den Mut haben, diese Frage zu stellen und uns jene Antwort zu geben. So zweifelhaft wie es auch den Anschein hat, dass es zur Zeit eben keinen neue Generation an politischen Visionären gibt.

Ein Politiker als neue politische Vision (flickr-fotos)

Ein Politiker als neue politische Vision (flickr-fotos)

Zweifelhaft bleibt es auch, ob der deutsche Wähler den Unterschied zwischen „neuer“ Politik und alter Demagogie erkennt. Denn mit „Visionen“ und falschen politischen „Zaubermeistern“ hat Deutschland eben sehr schlechte Erfahrungen gemacht.
So lächelt der deutsche Intelektuelle auch an einem Tag wie diesem und erklärt, doch ganz einfach erstmal abzuwarten, wie sich diese neue Politik in den USA entwickelt. Warten wir also ab…





Berlin, 1945

26 10 2008
Gewaltmarsch durch das zerstörte Berlin

Gewaltmarsch durch das zerstörte Berlin

Desöftern begeistert die Technik moderner PC´s mit dem Genuss virtueller Welten, ja, manchmal gar virtueller Zeitreisen. Mit der PC-Spiele-Software „Sniper Elite“ gelingt eine solche Reise, wenn auch mittels blutiger Umstände, in das Berlin des Jahres 1945. Und jeder, der auch nur schemenhaft etwas über die jüngere Geschichte gehört und erfahren hat, sollte mindesten ahnen, dass es um das Ende des Zweiten Weltkriegs auf europäischem Boden geht. Und damals war es dort eben alles andere als „unblutig“. So schlüpft der Spieler in die Haut eines amerikanischen Soldaten, eines einzelkämpfenden Scharfschützen, der in einer wirren Geschichte die Nukleartechnologie der Nazis bergen soll.

Selbstverständlich waren es die Russen, die ab April 1945 Berlin eroberten. Und die Russen sind in diesem Spiel auch die primären Feinde; deutsche Soldaten spielen nur eine untergeordnete Rolle. Der Protagonist allerdings bewegt sich in deutscher Uniform über das Spiel- und Schlachtfeld, dass mittels politisch korrektem Kunstgriff zu erklären versucht wird: Die Nazi-Atombombe muss nämlich vom Spieler vor den Russen geborgen werden; der Spieler wird so zum ersten Soldaten des neuen, bereits begonnenen „Kalten Krieges“, wie der Vorspann pathetisch erklärt.

Ok, es ist sicherlich sehr fragwürdig und ein lang zerkautes Thema – aber auch nach mehreren Stunden sinnlosen Gemetzels verspüre ich keinen Drang nach realer Gewalt – das ist natürlich auch Quatsch. Denn natürlich ist virtuelle Gewalt keinem Vergleich zur Realität würdig.

Keine Frage: inhaltlich, historisch und dramaturgisch fragwürdig bleiben diese Games dennoch.
Kurzweilig aber auch!