
Was weiß Stefan Aust?
Michael Buback sucht einen Mörder. Den Mörder seines Vater Siegfried Buback, der als Generalbundesanwalt 1977 von der „Roten Armee Fraktion (RAF)“ entführt und feige (von hinten) erschossen wurde. Eineinhalb Jahre sucht Buback nun schon, besucht Zeugen, sichtet Akten, vergleicht. Buback ist kein Kriminalist, sondern Naturwissenschaftler, lehrt als Chemieprofessor in Göttingen. Wissenschaftler eignen sich eher wenig für fantastische Erklärungen, vielmehr nüchtern beschäftigt er sich mit der Sachlage auf der Suche nach Wahrheit.
Im Frühjahr 2007 nahm der ehemalige RAF-Terrorist Peter-Jürgen Boock Kontakt zu Buback auf. Er teilte ihm mit, zu wissen, wer der Mörder seines Vaters sei. So soll Stefan Wisniewski soll laut Boock geschossen haben. Erleichterte er mit diesem Geständnis sein Gewissen, oder lediglich ein Versuch. falsche Spuren zu legen? Die bereits für diesen Mord verurteilten Christian Klar, Knut Folkerts und Brigitte Mohnhaupt hat er nie für die tatsächlichen Täter gehalten. Buback fragt sich vielmehr, weshalb jene Spuren nicht weiterverfolgt wurden, die auf Verena Becker verweisen. Wenn dem so sei, hätte er auch dafür eine Erklärung.

Spuren eines deutschen Herbst
Tatsache ist nämlich, dass Verena Becker nachweislich für den Verfassungsschutz gearbeitet hat. Buback behauptet, dass Becker bereits 1977, im Terrorjahr, von dieser Behörde gedeckt wurde. Becker wurde 1977 gemeinsam mit dem RAF´ler Gunther Sonnenberg nach einer Schiesserei in Singen verhaftet worden. In ihrem Gepäck fand man die Tatwaffe, mit der in Karlsruhe Siegfried Buback erschossen wurde. Spätestens damals Gründe für eindeutige Fragen, die offenbar jedoch nie gestellt wurde.
Die Bundesanwaltschaft bezeichnete sie sogar als „Mittäterin von Karlsruhe“ – doch aus den Akten und Prozessunterlagen sind von entsprechende Hinweise auf Becker ganz offensichtlich gereinigt worden.

"Ihr müsst diesen Typen nur ins Gesicht sehen"
Denn bereits seit den Achtziger Jahren läßt sich eine VS-Tätigkeit Beckers nachweisen; 1989 wurde die zu lebenslanger Haft verurteilte Terroristin bereits nach einer Begnadigung frei. Damals beschuldigte sie, wie später dann auch Boock, Wiesniewski der Tat gegen Buback. Doch die Bundesanwaltschaft, der diese Aussage bekannt war, unternahm nichts. Merkwürdig: Seit diesem Jahr (2008) ist die Akte Becker vom Bundesinnenministerium gesperrt worden! Was hat die Behörde zu verschleiern? Könnte es sein, dass Verena Beckers Taten vom Verfassungsschutz gedeckt und vertuscht wurden, nachdem sie Koopertation zugesagt hatte und Informationen aus dem Kernbereich der RAF-Strukturen liefern wollte?
Michael Buback veröffentlichte jetzt seine bisherigen Recherchen unter dem Titel „Der zweite Tod meines Vaters“ im Verlag Droemer/ Knaur. Auf 360 Seiten werden dort „unglaubliche Versäumnisse“ der Ermittlungsbehörden aufgelistet und unangenehme Theorien aufgestellt. Ein ungewöhnliches Thema für einen Naturwissenschaftler, doch ein packendes Thema für den Sohn eines genialen Ermittlers.














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